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Z.B. im Alten Testament:
In der vorexilischen Zeit waren die Priester als königliche Beamte staatlich versorgt; nach dem Exil unter persischer Regierung mußte deshalb eine neue Finanzierungsform durch Beiträge der Israeliten gefunden werden: Die kultischen Abgaben stiegen daher auf etwa ein Drittel des gesamten Einkommens an, wozu noch die staatlichen Steuern hinzukamen.
Demgegenüber schlugen die Ezechielschüler als Alternative vor, den Priestern und Leviten Land als einmalige kultische Abgabe zu übergeben, um deren Lebensunterhalt zu sichern; gleichzeitig sollten dann die kultischen Steuern beträchtlich reduziert werden.
Diese Diskussionen spiegeln sich auch in biblischen Texten wider: Das Buch Maleachi berichtet von Schwierigkeiten mit der Tempelfinanzierung in der Zeit um das 5. Jh. vor Christus: "Darf der Mensch Gott betrügen? Denn ihr betrügt mich. Doch ihr sagt: Womit betrügen wir dich? - Mit den Zehnten und Abgaben! Dem Fluch seid ihr verfallen, doch ihr betrügt mich weiter, ihr, das ganze Volk. Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist." (Ma13,8-10)
Der Text erinnert beinahe an jene Kirchenbeitragszahler, die heute ihr tatsächliches Einkommen der Beitragsstelle nicht mitteilen wollen, um "billiger" davonzukommen.
Z.B. Im Neuen Testament:
Apostelgeschichte: Auf den Bericht über die Gütergemeinschaft der Urgemeinde ("sie hatten alles gemeinsam" Apg 4,32-37) folgt sofort der Bericht über den Betrug des Hannanias und der Saphira (Apg 5, 1 - 11), die nur einen Teil des Verkaufserlöses für ihr Grundstück der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.
Die von der Endzeiterwartung getragene Gütergemeinschaft der Jerusalemer Gemeinde scheint die Finanzierungsprobleme nicht gelöst zu haben. Denn schon im 1. und 2. Korintherbrief bittet der Apostel Paulus die anderen Christengemeinden um Spenden für die verarmte Gemeinde in Jerusalem: Im 1. Korintherbrief (1 Kor 16, 1-4) empfiehlt der Apostel Paulus der Gemeinde, am ersten Tag der Woche etwas zurückzulegen, das dann für die Gemeinde in Jerusalem gespendet werden sollte. Dieser kurzen Bitte um Spenden folgt dann im zweiten Korintherbrief ein ausführlicher Aufruf zur Sammlung für Jerusalem (Kap. 8) und schließlich ein erneuter dringlicher Spendenaufruf im Kap. 9. Der Apostel verweist dabei auf andere Gemeinden, die sogar über ihre Kräfte gespendet haben. Durch ihre Spenden sollen sie ihre Liebe als echt erweisen. Gleichzeitig betont er, daß es nicht darum geht, selbst in Not zu geraten, sondern um einen Ausgleich. Ausführliche Anweisungen betreffen die Weiterleitung der Spenden an die Jerusalemer Gemeinde, um zu vermeiden, daß ein Verdacht der nicht einwandfreien Verwendung entsteht. Im erneuten Aufruf (Kap. 9) bittet der Apostel nochmals um großzügige Spenden, nicht um Gaben des Geizes. Wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Gott liebt einen fröhlichen Geber...
Diese Beispiele machen deutlich, daß schon die ersten Christen durchaus die "Sorge um das Geld" kannten und Bitten um Spenden ebenso wie heute auf der Tagesordnung standen. Das Wissen um die Diskussionen früherer Zeiten bedeutet sicher nicht, daß Überlegungen ohnehin sinnlos wären. Die Herder-Korrespondenz berichtet in ihrer Februar-Nummer 1994 über Diskussionen der deutschen Kirchensteuer. Das Schlußwort dieses Artikels gilt sicherlich für die Kirchenfinanzierung jedes Landes und aller Zeiten: "Die bestehenden Finanzierungswege sind nicht unveränderbar. Jeder Rechtfertigungsversuch, der in dieser Hinsicht unnötig dramatisiert und schon den leisesten Ansatz ihrer Problematisierung tabuisiert, schadet letztlich eher dem Gesamtanliegen als daß er ihm hilft. An einer kontinuierlichen Überprüfung ihrer Finanzierungswege müssen die Kirchen schon in dem Maße interessiert sein, wie sie mittel- und langfristig zeitgemäße und politisch plausible Finanzierungsquellen benötigen. Insofern tun sie gut daran, sich offensiv der Auseinandersetzung zu stellen und ihre Gesichtspunkte und Argumente in die Waagschale öffentlicher Auseinandersetzung zu legen. Die Aussichten, daß die Öffentlichkeit ihnen darin folgt, sind das zeigen Hinweise aus verschiedenen politischen Lagern - insgesamt besser, als es zuweilen unter dem Eindruck aggressiver Tagespolemik den Anschein hat."
(red)
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