Kirchenfinanzierung - Aus den Erträgnissen des kirchlichen Vermögens

Kunstschätze kein Ertrag, sondern Kosten für Erhaltung Diese Finanzierungsform setzt voraus, daß entsprechende Vermögenswerte, die Ertrag abwerfen, vorhanden sind. Kunstgegenstände der Kirche kommen als Quelle von Vermögenserträgnissen nicht in Frage, da sie keinen laufenden Ertrag bringen, sondern erhebliche Mittel für die Erhaltung erfordern. Ein Verkauf von Kunstgegenständen wäre sicherlich problematisch (zum Teil rechtlich nicht zulässig und außerdem nur ein einziges Mal möglich).

Probleme bzw. Fragestellungen, die sich bei der Finanzierung aus Vermögenserträgen ergeben:

- Darf angesichts der weltweiten Not von der Kirche Vermögen „angehäuft“ werden?
- Welche Veranlagungsformen sind für Kirchen vertretbar?
- Das Nützen von Ertragschancen birgt auch Verlustrisken.

Aktuelle Beispiele:

o Anglikanische Kirche in Großbritannien: Spekulationsverluste

41 % ihrer Einnahmen stammen aus Erträgen des Vermögens. 59 % aus Spenden. Lt. Bericht der Kathpress vom 27.7.1993 soll die englische Kirche zwischen 1989 und 1991 rund 872 Millionen Euro bei Aktien- und Immobiliengeschäften verspekuliert haben. Hier wird deutlich, daß mit dem Ziel, hohe Gewinne zu erzielen, auch hohe Verlustrisken übernommen worden sind.

o Vatikan: Paulus VI Richtlinien für die Verwaltung

Seit 1929 (Abschluß der Lateranverträge) finanziert der Vatikan seine Ausgaben aus Kapitalerträgnissen. Zunächst stand die Vermögensverwaltung ausschließlich unter dem Prinzip der maximalen Gewinnerzielung. Papst Paul VI. hat dann neue Richtlinien für die vatikanische Vermögensveranlagung festgelegt:

1. Verzicht auf moralisch problematische Investitionen (z.B. bei Unternehmen, die mit empfängnisverhütenden Mitteln, mit Waffenproduktion oder moralisch zweideutigen Filmen zu tun haben könnten).
2. Abstoßen von Mehrheitsbeteiligungen und Sperrminoritäten.
3. Umwandlung von ausschließlich italienischen Beteiligungen in ein international gestreutes Aktienportefeuille.

Durch diese Maßnahmen verringerte sich das Vermögen und die jährlichen Einnahmen des Vatikans. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben, da durch das Konzil der römischen Zentrale neue Aufgaben überantwortet worden sind.

(red)

Drucken

Fenster schließen